Am 07.09.2022 trafen sich zahlreiche Akteure der Wiederverwendung zum ersten hessischen Re-Use Symposium in der Evangelischen Akademie in Frankfurt am Main. Die Gäste aus dem Secondhand-Handel, der Entsorgung und der kommunalen Verwaltung tauschten sich den ganzen Tag über den Stand und die Entwicklungsmöglichkeiten der Wiederverwendung in Hessen aus. In diesem Blogartikel fassen wir die Ergebnisse des Workshops zusammen, der am Nachmittag stattgefunden hat. Die Inhalte der Vorträge vom Vormittag haben wir in einem gesonderten Blogbeitrag aufbereitet.

Sechs Hüte?

Im Anschluss an die zahlreichen Vorträge vom Vormittag war der Nachmittag der Mitarbeit und Mitgestaltung gewidmet. Die gemeinsame Arbeit im Rahmen von Workshops hat im Re-Use Netzwerk inzwischen bereits Tradition. An den bisherigen Workshops des Netzwerkes, an denen einen kleinere Zahl aktiver Re-Use Akteure teilgenomen hatte, hatte die Arbeit an verschiedenen Thementischen, das World-Café, gute inhaltliche Ergebnisse produziert.

Für das Symposium sollte dann aber etwas Neues her. Mit der Sechs Hüte Methode, in Anlehnung an De Bonos „Six Thinking Hats“, haben wir uns für eine ungewöhnliche und kreative Methode entschieden, die inhaltlich weiter bringt und zugleich den Raum für innovative Ideen öffnet. Dabei haben wir in unserer Adaption der Methode die Thementische der World-Cafés beibehalten; jedoch sind diese nicht nach inhaltlichen Themen unterschieden, sondern nach der Perspektive, aus der an ihnen auf die selbe Frage geschaut wird: „Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie sich vorstellen, Ihren Teamkollegen den Vorschlag vorzulegen, Mitglied des Re-Use Netzwerkes zu werden?“

An jedem der Tische wurde diese Frage mit einem farbigen Hut auf dem Kopf beantwortet, der jeweils nur eine spezifische Perspektive oder Denkrichtung erlaubt:

Der lila Hut

Zahlen, Daten, Fakten

Der gelbe Hut

Optimismus

Der rote Hut

Zahlen, Daten, Fakten

Der grüne Hut

Optimismus

Der blaue Hut

Bedenken

Der lila Hut: Zahlen, Daten, Fakten

Denkrichtung: Analytisches Denken
Arbeitsergebnisse: Zahlen, Daten und Fakten sammeln und strukturieren

Haltung:

Logisches, ordnendes Denken, Objektive Haltung

Leitfrage: Was wissen wir schon? Was müssen wir noch herausfinden?

Wer sich an diesem Tische einen imaginären lila Hut auf den Kopf gesetzt hat, dem ging es darum wichtige Fakten zu sammeln und auch nicht wegzusehen, wenn zu einem Bereich keine klare Datenlage gegeben war. Denn hier ging es darum, was wir bereits wissen oder was wir wissen müssen, um voran zu gehen. 

Neben der zentralen Bedeutung von einheitlich erhobenen Kennzahlen, die als wichtige Argumente gegenüber der Politik identifiziert wurden, ging es auch um definitorische und juristische Fragen. 

Der gelbe Hut: Optimismus

Denkrichtung: Optimistisches Denken
Arbeitsergebnisse: Ein utopisches Best-Case Szenario entwickeln
Haltung: Alle Träume und Wünsche einsammeln, Spekulative Haltung
Leitfrage: Welche Chancen und Möglichkeiten gibt es?

Am gelben Tisch, unter einem gelben Hut wurde optimistisch gedacht: Wenn alles richtig gut läuft, wo stehen wir dann in zwei Jahren? Was hat sich dabei für meine Organisation verändert?

 Neben einem starken und großen Re-Use Netzwerk, wurden hier vor allem Kooperationsmöglichkeiten betont, die Re-Use Artikel in einer breiten Bevölkerungsschicht attraktiv machen. Dafür wurde immer wieder auf die Idee einer gemeinsamen Dachmarke aus den vormittäglichen Vorträgen zurück gegriffen.

Der schwarze Hut: Bedenken

Denkrichtung: Kritisches Denken
Arbeitsergebnisse: Risikobetrachtung, Probleme, Skepsis, Kritik und Ängste beschreiben
Haltung: Den Zweifel konstruktiv nutzen, Objektive Haltung
Leitfrage: Welche Risiken müssen wir abwägen?

Am schwarzen Tisch wurde unter einem schwarzen Hut die Stirn zweifelnd gerunzelt und zahlreiche Ideen auf ihre kritischen Implikationen geprüft. Hier ging es darum die Risiken zu betrachten und abzuwägen, ob die eine oder andere Maßnahme nicht ungeahnte Probleme mit sich bringt.

 Zu forderst ging es hier um die Sorge, zeitliche und finanzielle Ressourcen zu verausgaben. Aber auch die interne Zusammenarbeit birgt Risiken, etwa dann, wenn es zu Zielkonflikten kommt.

Der rote Hut: Emotionen

Denkrichtung: Emotionales Denken und Empfinden
Arbeitsergebnisse: Gefühle und Meinungen als Hinweisgeber
Haltung: Emotionen einen Raum geben, Subjektive Haltung
Leitfrage: Wie geht es mir?

Am roten Tisch konnte sich ein roter Hut aufgezogen werden, um sich seinen Emotionen hinzugeben. Viel zu häufig gelten Emotionen in einem professionellen Kontext als fehl am Platze. Doch tatsächlich ist ein intuitive Empfinden oftmals ein guter Hinweisgeber dafür, ob es nicht an der einen oder anderen Stelle noch nachzubessern gilt.

Es wurde viel gelacht an diesem Tisch aber auch Ängste und Unsicherheiten hatten hier einen Platz. Neben finanziellen Sorgen wurde hier vor allem deutlich, dass mit einer zunehmenden Professionalisierung, Sorge besteht, abgehängt zu werden.

Der grüne Hut: Kreativität

Denkrichtung: Kreatives, assoziatives Denken
Arbeitsergebnisse: Neue Ideen und innovative Lösungen sammeln
Haltung: Brainstorming, spielerisch kreativ, Konstruktive Haltung
Leitfrage: Wie können wir um die Ecke denken?

Knobler, Kreative und ungewöhnliche Denker konnten sich am grünen Tisch eine grüne Denkkappe aufsetzen, um ungewöhnliche Lösungen „outside the box“ zu erdenken.

 Storytelling war hier ein entscheidendes Stichwort: damit Re-Use attraktiver wird, brauchen wir vor allem eine mitreißende Erzählung, die Wiederverwendung in das rechte Licht rückt. Aber auch Zahlen – etwa zu CO2 Ersparnissen durch Gebrauchtwarenkauf – können dann überzeugend sein, wenn sie nicht abstrakt sondern aus dem Alltag der Bürger:innen gegriffen sind.

 

Der blaue Hut: organisatorischer Überblick

Die mathematisch begabten Gäste waren zunächst etwas irritiert, als sie nur fünf Tische zählten, an denen die sechs Hüte Methode durchgeführt wurde. Doch an jeden Tisch hatten wir je eine:n Tischmoderator:in gesetzt, die einen (imaginären) blauen Hut trugen. Dieser organisatorische, moderierende Hut war dazu da, die Ergebnisse der Tischarbeit auf einem eigenen Flinga-Board zu sammeln. (Das Board bleibt auch weiterhin offen und ist über den nebenstehenden Link zu erreichen.)

Die Arbeit mit Flinga hat nicht nur den Vorteil, dass sie die Arbeitsergebnisse in Echtzeit auf einem gemeinsamen Whiteboard abbilden. Auch können die Ergebnisse im Nachhinein digital weiter ergänzt werden. So haben auch diejenigen noch Gelegenheit sich einzubringen, die am Workshop nicht teilnehmen konnten. Überdies lassen sich diese Ergebnisse direkt digital weiterverarbeiten und auswerten. Hier unten gibt es eine tabellarische Auflistung der Ergebnisse nach Denkrichtung, aufgelistet in der Reihenfolge ihrer Nennung.

Abonniere den Re-Use Newsletter und bleibe immer auf dem Laufenden

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.